Hallo liebe Leser, hier ist wieder eure Stimme aus dem Off.
Fühlt ihr euch manchmal auch wie in einem kleinen, unbeugsamen Dorf? Draußen tobt der Wahnsinn, die Welt ist groß und chaotisch, aber hier drinnen – hinter unseren gepflegten Gartenzäunen – ist die Welt noch in Ordnung. Wir verteidigen unser kleines Paradies gegen die Übermacht.
Das Problem an diesem schönen Bild ist nur: Wir sind nicht bei Asterix. Und leider habe ich die schlechte Nachricht für euch: Wir haben keinen Druiden, der uns einen Zaubertrank braut.
Die Angst um unseren „gerechten“ Reichtum
Lass uns kurz ehrlich sein: Es ist logisch, dass wir Angst haben. Deutschland hat gut 84 Millionen Einwohner. Die Welt hat fast 8 Milliarden.
Wenn wir auf unseren legendär gerecht verteilten Wohlstand blicken, dann bekommen wir Panik.
Der Instinkt schreit: „Zieht die Zugbrücke hoch und verrammelt das Tor. Fremde wollen etwas von meinem Kuchen abhaben!“
Dieser Instinkt ist nicht „böse“. Er ist menschlich. Es ist der pure Überlebenswille und begleitet uns seit der Urzeit.
Aber weil wir nicht zugeben wollen, dass wir einfach nur unseren Besitz verteidigen, machen wir das, was wir Deutschen am besten können: Wir reservieren uns das Recht – wie eine Liege morgens am Pool.
Wir fordern Werte von anderen ein, die eigenen lassen wir aber fallen, sobald sie uns im Weg stehen.
Nächstenliebe? Ja, aber bitte nur für Leute mit dem richtigen Pass und dem richtigen Beruf und mir bloß nicht die Arbeit wegnehmen – gut, dass Maschinen kein Visum brauchen.
Schöpfung bewahren? Klar, aber nicht, wenn ich dafür langsamer fahren muss oder auf irgendetwas verzichten muss.
Wir nutzen die „Werte“ nicht als Kompass, sondern als Schutzschild – und das oft auch vor uns selbst.
Was wäre, wenn wir ehrlich wären?
Sparen wir uns das Scheinheilige. Was wäre, wenn wir die Maske einfach fallen lassen und zugeben: „Ja, ich bin Egoist. Ich will, dass es mir gut geht.“
Es spricht doch nichts dagegen, denn erst dann können wir wirklich anfangen, logisch zu handeln. Was wäre denn der Vorteil? Wir könnten die Energie nutzen und schlau sein, wir sind doch nicht dumm, oder?
Ein schlauer Egoist (Pragmatiker) würde rechnen:
Wenn ich will, dass mein Nachbar mich nicht überfällt und mich in Ruhe lässt, muss ich dafür sorgen, dass er keinen Grund hat, auf meinen Kuchen zu schauen und womöglich etwas abhaben zu wollen. Und dann auch noch das größte Stück! Soll er doch lieber seinen eigenen backen – am Ende bekomme ich vielleicht noch ein Stück ab.
• Entwicklungshilfe ist keine Nettigkeit – es ist Schutzgeld für meinen eigenen Frieden und Sicherheit.
• Klimaschutz mache ich nicht für die Eisbären, sondern damit mein Keller trocken bleibt und ich nicht meinen Lohn für noch mehr Versicherungen ausgeben muss, die dann eh nicht zahlen.
• Der Sozialstaat ist kein Geschenk, sondern die Garantie, dass mein teures Auto sicher steht und ich mein Vermögen riskieren kann, ohne auf der Straße zu landen.
Das Fazit
Der sicherste Weg, deinen Besitz, dich selbst und deine Familie zu schützen, ist, dafür zu sorgen, dass die anderen keinen Grund haben, dich zu beachten. Geht es anderen gut, wollen sie auch nichts von dir – zumindest solange du nichts von ihrem Kuchen willst.
Wir haben keinen Zaubertrank. Wir haben nur unseren Verstand. Es wird Zeit, dass wir ihn benutzen.
Und wer weiß? Vielleicht gefällt uns am Ende sogar, was wir da tun.
Euer unsichtbarer Patient


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