Hallo liebe Leser, hier ist wieder eure Stimme aus dem Off.
Ich muss heute mal eine Lanze für die Faulheit brechen.
Wir machen uns das Leben viel zu schwer. Ständig dieses „Differenzieren“, dieses „Hinterfragen“ und – ganz schlimm – dieses „Kontext suchen“. Wer hat denn dafür Zeit?
Die Welt ist kompliziert, mein Akku ist leer und die Serie läuft gleich weiter.
Deshalb feiere ich heute die größte Erfindung seit geschnitten Brot: Das Schlagwort.
Effizienz durch Weglassen
Warum sollte man sich mit der Realität befassen, wenn sie nicht auf einen Bierdeckel passt? Das ist doch ineffizient!
Schlagworte sind wie Tütensuppen für den Geist: Tüte auf, heißes Wasser drüber, fertig ist die Meinung. Schmeckt zwar immer gleich und hat keine Nährstoffe, aber es geht schnell und macht kurz satt.
„Die da oben“, „Klimawandel“, „Systemling“, „Freiheit“.
Zack – Schublade auf, Weltbild rein, Schublade zu. Herrlich, diese Ruhe im Kopf.
Der Autopilot: Unser bester Freund
Manche Kritiker (diese Spielverderber) nennen das „Manipulation“ oder „Verdummung“. Ich nenne es: Energiesparmodus.
Warum das Gehirn hochfahren, wenn die Gewohnheit das Steuer übernehmen kann? Die Gewohnheit ist ein treuer Diener. Sie ist dieses flauschige, machtgierige Etwas, das uns sanft ins Ohr flüstert: „Pscht, streng dich nicht an. Nimm einfach die Überschrift, das reicht.“
Sie spielt virtuos auf der Klaviatur unserer Urinstinkte. Angst? Wut? Gier? Ein Schlagwort reicht, und wir hüpfen über das Stöckchen. Das ist keine Schwäche, das ist sportliche Betätigung!
Die Krone der Schöpfung
Und bitte, kommt mir nicht mit diesem Satz: „Aber ich bin doch kein Tier! Ich habe ein Bewusstsein!“
Natürlich sind wir keine Tiere. Das ist eine beleidigende Unterstellung.
Ein Hund fängt an zu sabbern, wenn er eine Glocke hört (Klassische Konditionierung). Das ist primitiv.
Wir Menschen hingegen fangen an zu tippen, zu brüllen oder zu wählen, wenn wir ein Reizwort hören. Das ist… nun ja, im Prinzip genau dasselbe, aber wir machen es mit viel mehr Würde und einem Smartphone in der Hand.
Also: Bleibt bequem. Denken gefährdet nur die Gewohnheit. Und wer will schon, dass die Realität das schöne Weltbild kaputt macht?
Euer (effizienter) unsichtbarer Patient


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