Hallo liebe Leser, hier ist wieder eure Stimme aus dem Off.
Ich bin Autist. Und ich bin froh darüber – ich mag es sogar.
Natürlich habe ich Nachteile, und zwar massive. Aber ich weiß ja auch nicht, wie es ist, kein Autist zu sein.
Ich frage mich oft: Geht es „Neurotypischen“ (NTs) nicht eigentlich auch so? Ja. Ihr Problem ist ganz klar, dass sie keine Autisten sind und sich unsere Vorteile gar nicht vorstellen können. Sie sind sicher auch alle ganz neidisch. Ich bin da fest von überzeugt. Bestimmt.
Bitte keine Gleichmacherei
Sollten deshalb alle Menschen Autisten werden?
Um Himmels Willen, nein! Das wäre eine genauso große Katastrophe wie eine Welt ganz ohne Autisten.
Das klingt nach einer steilen These, oder? Aber schauen wir uns die Realität an.
Wir sehen doch täglich, was Emotionen anrichten, wenn keiner da ist, der auf Sachthemen beharrt. Wenn Meetings, Konferenzen oder politische Debatten nur noch dazu dienen, Gefühle zu justieren, soziale Rangordnungen zu klären und sich „zu erden“, dann bleibt der eigentliche Inhalt auf der Strecke. Wir fühlen uns dann vielleicht gut, aber wir bewegen uns nicht vom Fleck.
Die Kraft des Korrektivs
Was wäre die Welt ohne den „Spielverderber“, dem es – warum auch immer – um den Inhalt geht? Der die Hand hebt, wenn alle nicken, und sagt: „Äh, hallo? Äh nein, das ist aber falsch.“
Man könnte jetzt augenrollend einwenden: „Hey, dafür braucht man keine Autisten, auch normale Menschen achten auf Inhalte und nerven damit!“
Stimmt. Aber nicht so vehement, klar und nervig richtig wie das Original.
Wir sind nicht alle gleich und das ist unser Glück. Denn sonst gäbe es keinen Fortschritt.
Wir brauchen die Diversität nicht, um sie zu hassen, sondern für das Überleben. Wir brauchen die Unterschiede, damit wir uns reiben, damit wir uns aufregen und damit wir gezwungen sind, unsere eigenen Positionen zu hinterfragen und uns nicht eingestehen müssen, dass die anderen recht haben.
Also: Hab keine Angst vor Diversität. Hab Angst davor, sie zu verlieren.
Euer unsichtbarer Patient


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