Hallo liebe Leser, hier ist wieder eure Stimme aus dem Off.
Ist alles nicht so schlimm, wird KI überschätzt? Ist der Klimawandel doch halb so wild, verliert Russland den Krieg, weil das Material fehlt, stolpert Trump über Akten und scheitert an Unfähigkeit?
Mag sein.
Das sind Fragen, die ich nicht beantworten kann, es mag sein, dass alle Bedrohungen, die uns den Atem rauben, am Ende harmloser sind, als sie scheinen – vielleicht kommen wir wieder mit einem blauen Auge davon. War ja bisher immer so.
Wie oft standen wir schon vor dem dritten Weltkrieg? Wie viele Politiker haben Mist gebaut, wie viele Unternehmen Macht missbraucht, wie viele Umweltkatastrophen hatten wir schon? Und? Uns geht es doch gut. Kein Weltkrieg, Tiere leben noch, der Winter kommt auch noch – also wozu aufregen? Lasst uns entspannt bleiben und den Sommer genießen.
Aber… hm. Stimmt das wirklich?
Klar, manche haben Erfolg. Aber was ist mit der Rente, um die wir uns seit 40 Jahren sorgen? Was ist mit dem Sozialstaat, der immer weiter abgebaut wird? Was macht die KI mit uns, selbst wenn sie dem Hype nicht gerecht wird – hatten Handys keinen Einfluss? Hatten Fernseher keinen Einfluss?
Beinahe hätte ich jetzt noch dutzende weitere Fragen gestellt, denn bin ich erst einmal darauf eingestellt, kann ich kaum damit aufhören. Wir sind auf Katastrophen programmiert. Wir reagieren mit Panik und beruhigen uns erst, wenn die Meldung kommt: „Ahh, alles nur halb so schlimm.“
Richtig: Halb so schlimm. Aber eine Hälfte ist noch da.
Zwei Hälften ergeben ein Ganzes, theoretisch zumindest.
Es ist richtig, nicht in Panik zu verfallen, aber es ist falsch, zur Tagesordnung zurückzukehren. Das ist das alte Spiel: Wir regen uns auf, reagieren hysterisch, ändern minimal etwas, beruhigen uns und machen weiter wie bisher. Erst schlimmere Meldungen wecken uns wieder auf, aber auch die werden am Ende heißer gekocht als gegessen.
Nur… ist das wirklich so?
Ich könnte jetzt lang und breit erklären, dass „halb so schlimm“ immer noch „schlimm genug“ bedeutet. Dass wir reagieren müssten – konsequent und nicht panisch.
Aber das spare ich mir. Ich lasse dich stattdessen mit der Frage allein:
Ist wirklich alles gut so, wie es ist? Müssen wir nichts ändern – auch nicht an uns selbst? Und was wirst du tun? Wirst du überhaupt etwas tun?
Euer unsichtbarer Patient


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