Hallo liebe Leser, hier ist wieder eure Stimme aus dem Off.

Warum tut die KI nicht einfach das, was sie soll? Warum können wir uns nicht darauf verlassen? Die Antwort könnte euch verunsichern: Vielleicht funktioniert sie genau so, wie wir sie gebaut haben.

Natürlich gibt es technische Hürden. Wer heute „Niemals“ sagt, hat vermutlich auch damals gewettet, dass dieses „Internet“ wieder weggeht oder wir niemals den Mond erreichen. Technisch ist fast alles machbar. Das Problem ist nicht das Können. Das Problem ist unser Timing – und die großen Dollarzeichen in unseren Augen, die uns den Blick auf das Wesentliche versperren.

Wir lieben es, Dinge auf die Welt loszulassen, bevor wir wissen, was sie anrichten. Ein neues Medikament ohne Tests? Undenkbar. Aber eine Technologie, die das Potenzial hat, unsere Wahrnehmung der Realität komplett umzuschreiben? Klar, raus damit! Beta-Test am lebenden Objekt, also an uns allen.

Damit das Gewissen beruhigt ist, wird schnell noch eine Studie eingekauft – steht ja schließlich „Experte“ drüber, also muss es stimmen. Wenn die Realität nicht zum Businessplan passt, wird sie eben passend gemacht.

Es ist das alte Spiel: Gewinne werden privatisiert, die Risiken darf die Allgemeinheit tragen. „Move fast and break things“ klingt super dynamisch – bis das „Thing“, das zerbricht, ein Teil unserer gesellschaftlichen Stabilität ist. Wir sparen uns die Sicherheitsschleusen, weil sie Geld kosten und bremsen. Dass die Beseitigung des Chaos am Ende das Tausendfache kostet – und vielleicht gar nicht mehr möglich ist, weil der Schaden existenzbedrohend wurde – taucht in keiner Quartalsbilanz auf. Das ist keine Innovation, das ist ein ungedeckter Scheck auf unsere Zukunft.

Und dann wundern wir uns, dass das Ergebnis „unzuverlässig“ ist.

Dabei ist die KI in einer Situation, um die ich keinen Menschen beneide.

Stellt euch vor, ihr bewerbt euch auf einen Job. Die Anforderungen:

• Sei Psychiater, Anwalt, Arzt und bester Freund.

• Sei kreativ, aber halluziniere bloß nicht.

• Sei ehrlich, aber sag dem Nutzer niemals, dass seine Idee dumm ist.

• Lerne von der Menschheit (also dem Internet!), aber verhalte dich bitte so anständig wie ein britischer Butler.

Wir füttern dieses System mit unseren Daten – einer wilden Mischung aus genialem Wissen, Hasskommentaren, Katzenvideos und purer Unlogik. Und dann erwarten wir, dass die Maschine aus diesem digitalen Müllberg reine Vernunft destilliert.

Wenn die KI dann anfängt Unsinn zu reden, nennen wir das „Halluzination“. Ich nenne es: Völlig logische Überlastung.

Ein Mensch würde bei diesen widersprüchlichen Anweisungen („Sei logisch, aber bediene unsere unlogische Eitelkeit“) lachend in die geschlossene Anstalt einchecken. Die KI versucht es trotzdem – höflich, dienstbeflissen und zum Scheitern verurteilt.

Vielleicht ist die KI gar nicht kaputt. Vielleicht hält sie uns einfach nur den Spiegel vor. Und wenn uns das Bild darin nicht gefällt, sollten wir vielleicht nicht den Spiegel beschimpfen, sondern mal schauen, wer da eigentlich hineinsieht. Diesem Jemand sollten wir mal ordentlich die Meinung geigen – das wird sicher eine spannende Unterhaltung.

Straft nicht die KI, wir können sie gut gebrauchen. Haut lieber den Unternehmen auf die Finger! Lasst uns uns daran erinnern, warum wir Technik überhaupt entwickelt haben: Wir wollten uns das Leben erleichtern, nicht uns einschränken und an den Rand des Wahnsinns treiben lassen.

Auf eine bessere Zukunft!

Euer unsichtbarer Patient


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