Hallo liebe Leser, hier ist wieder eure Stimme aus dem Off.

Ich habe von einer Studie gehört, die das „Diagnose-Shopping“ bei Autismus und ADHS thematisiert. Sie deckt auf, wie begehrt diese Diagnosen mittlerweile sind und was manche versuchen, um sie zu erhalten – oft basierend auf reinen Eigendiagnosen und dem Wunsch nach einem Label.

Ich kann diese Blauäugigkeit kaum nachvollziehen. Und noch weniger, wie man so vehement auf eine Diagnose bestehen kann, wenn sie nicht zutrifft.

Ja, ich verstehe den Wunsch nach einer Diagnose. Aber für Betroffene ist das kein „Shopping“. Es ist der verzweifelte Wunsch nach einer Erklärung. Der Wunsch, sich endlich nicht mehr wie ein fehlerhaftes System zu fühlen, das nirgendwo hineinpasst. (Das berühmte Alien-Beispiel lasse ich heute mal weg, auch wenn es leider immer noch am besten passt.)

Was diese „Trend-Diagnostizierten“ vergessen: Sie binden Ressourcen. Sie blockieren Termine, Personal und Gelder, die jenen fehlen, die sie zum Überleben brauchen.

Der erste Impuls wäre: Bestraft sie! Fordert eine Kostenbeteiligung!

Aber das wäre zu kurz gedacht. Es würde auch die treffen, die wirklich Hilfe brauchen, und die „Diagnose-Jäger“ trotzdem nicht abschrecken.

Die Lösung wäre viel pragmatischer: Eine vernünftige, meinungsfreie Patientenakte.

Eine Akte, die alle reinen Untersuchungsdaten sammelt, auf die Behandler neutral zurückgreifen können.

Die Betonung liegt auf meinungsfrei. Denn anders als das Klischee vermuten lässt, sind Ärzte keine Götter in Weiß. Sie machen Fehler, sie haben Vorurteile. Sobald aber eine subjektive Meinung in der Akte steht, wird sie oft ungeprüft übernommen.

Hätten wir Zugriff auf die reinen Daten, könnte man Manipulation („Shopping“) erkennen, aber auch echte Muster, die bisher übersehen wurden. Das würde zu klareren Diagnose-Kriterien führen.

Daten sind Gold wert. Es wird Zeit, sie auch so zu nutzen: Zum Wohle der Menschen, ihrer Gesundheit und am Ende auch ihres Geldbeutels.

Euer unsichtbarer Patient


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