Hallo liebe Leser, hier ist wieder eure Stimme aus dem Off.

Mich beschäftigt mal wieder unsere Gesellschaft und die große Politik. Man könnte meinen, ich neige zum Meckern – zumindest hört es sich oft so an. Aber in Wirklichkeit möchte ich nur den Finger in die Wunde legen, die wir alle sehen, aber geflissentlich ignorieren.

Wir haben die Bedrohungen längst erkannt. Wir wissen, dass es brennt. Aber wir wundern uns, dass wir das Feuer nicht gelöscht bekommen. Warum? Weil wir versuchen, einen Waldbrand mit einer Wasserpistole zu löschen, nur weil das vor 50 Jahren beim Lagerfeuer mal funktioniert hat.

Die Definition von Wahnsinn

Es gibt dieses Sprichwort: Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten. Genau das tun wir.

Wir rufen nach dem „Wir“. Wir fordern mehr Gemeinsamkeit in Europa (480 Millionen Menschen!), wir wollen Firmen hier halten, wir wollen uns verteidigen. Aber unsere Handlungen dienen nicht dem „Wir“, sondern immer noch dem Kult um den „Einzelnen“.

Achtung: Keine Angst vor dem roten Gespenst

Ich sehe schon die Schweißperlen auf mancher Stirn und höre die Rufe: „Will der jetzt den Kommunismus einführen?“

Nein. Das ist das alte Spiel, nur anders verpackt, und das hat noch nie funktioniert.

Unternehmen gehören ja heute oft schon „vielen“ (Aktionären), aber das Sagen haben am Ende doch wieder einzelne, die einfach sehr viel Glück hatten.

Soll der Einzelne nicht mehr erfolgreich sein dürfen? Darf man nicht mehr nach Reichtum streben?

Doch, natürlich! Leistung muss sich lohnen. Wer eine geniale Idee hat und hart arbeitet, soll dafür belohnt werden. Aber wir müssen unseren Blick auf die Realität korrigieren.

Die Illusion des „Self-Made-Man“

Wir dürfen eines nicht vergessen: Der Einzelne kann nur „Glück“ und Erfolg haben, wenn er auf die Arbeit von vielen zurückgreifen kann.

Kein Milliardär hat seine Straßen selbst gebaut, seine Mitarbeiter selbst eingeschult oder das Internet erfunden, das er nutzt. Erfolg ist niemals eine Leistung von einer Person allein. Erfolg entsteht, weil viele Rädchen ineinandergreifen.

Das aktuelle Problem ist: Viele leisten den Beitrag, aber nur ganz wenige schöpfen den massiven Gewinn ab.

Wir müssen die Wertigkeit anpassen. Ja, Erfolg soll belohnt werden – aber realistisch. Es kann nicht sein, dass wir das kollektive Potenzial von 480 Millionen Menschen nutzen, aber die Regeln von einer Handvoll Superreicher diktieren lassen. Das ist mathematisch unlogisch.

Der Blick nach China (Masse vs. Freiheit)

Warum ist China wirtschaftlich so erfolgreich? Weil sie die Masse nutzen. Aber sie tun es unter Zwang, und das ist ihre Schwäche. Die Menschen sind nicht frei.

Hier liegt die eigentliche Stärke Europas, die wir brachliegen lassen: Wir hätten die Masse UND die Freiheit.

Wir brauchen ein „neues altes Denken“. Ein Konzept, das anerkennt, dass der Erfolg des Einzelnen immer auf der Gemeinschaft basiert. Wenn wir diese Verantwortung wieder verschieben – weg vom reinen Kapital, hin zur Anerkennung der Gesamtleistung –, dann wecken wir den Riesen Europa auf. Nicht durch Zwang, sondern durch Logik.

Denkt mal drüber nach, bevor ihr das nächste Mal „Ich“ sagt, obwohl ihr „Wir“ meint.

Euer unsichtbarer Patient


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