Hallo liebe Leser, hier ist wieder eure Stimme aus dem Off.

Wir müssen mal über Geld reden. Oder besser gesagt: Über das Missverständnis, das wir damit verbinden.

Wenn Menschen sagen: „Ich wäre gerne reich“, dann haben sie meistens ein warmes, weiches Bild im Kopf. Sie denken an Sicherheit. Daran, sich keine Sorgen mehr machen zu müssen, wenn die Waschmaschine kaputtgeht. Sie denken an Unabhängigkeit und Freiheit und betrachten das aus dem Blickwinkel heraus, an dem sie sich gerade befinden. Verständlich, aber gefährlich. 

Das ist auch völlig legitim. Dagegen habe ich nichts, zumindest nicht grundsätzlich. Wirkt sich diese Sicht aber auf die Allgemeinheit aus, dann habe ich sehr wohl etwas dagegen. Denn die Allgemeinheit braucht eine andere Betrachtungsweise, wie die persönliche. 

Die Realität von großem Reichtum ist eine andere. Reichtum ist ab einer gewissen Grenze nicht mehr „Kaufkraft“, sondern Macht. Und Macht sucht sich immer ein Ventil und niemand ist dagegen resistent. 

Die Generationen-Falle

Jemand, der frisch zu Geld gekommen ist, muss sich oft erst orientieren. Die erste Generation ist meist noch damit beschäftigt, das Erreichte zu begreifen. 

Gefährlich wird es oft erst danach. Generationen, die mit Reichtum und Wohlstand aufwachsen, lernen schnell, dass Geld nicht nur zum Einkaufen da ist, sondern um anderen den eigenen Willen aufzudrücken. Sie erkennen die Hebel, die sie in Bewegung setzen können – oft zum Nachteil der Allgemeinheit. 

Der Mythos vom genialen Reichen

Warum lassen wir das zu? Weil wir einem gewaltigen Irrtum aufsitzen:

„Wer reich ist, muss ja auch schlau sein.“

Wir glauben automatisch, dass jemand, der viel Geld hat, ein Genie sein muss. Irgendwas muss er ja richtig gemacht haben, oder?

Wirklich?

Ist ein Drogenboss ein guter Manager, dem wir gesellschaftliche Verantwortung übertragen sollten, nur weil er Millionen scheffelt?

Reicht eine einzige gute Idee (oder das Glück, reich geerbt zu haben), um plötzlich ein Experte für Weltpolitik, Klima oder Bildung zu sein?

Nein. Erfolg in einer Nische bedeutet nicht Weisheit im Ganzen. Aber wir behandeln diese Menschen so, als hätten sie die Lösung für alles. Es wird oft auch zu wenig hinterfragt wie der Reichtum der entstanden ist und wenn dies doch geschieht, dann aus anderen Beweggründen. 

Was wir tun müssen: Den Rechtsstaat schützen

Es ist leicht, sich von dem Glanz blenden zu lassen. Aber wir müssen aufwachen.

Ich bin nicht gegen Reichtum per se. Wer ein Unternehmen gründet und Erfolg hat, soll ihn genießen. Aber: Reichtum darf keine politische Kontrolle kaufen.

Wir dürfen Menschen, deren Motive wir nicht kennen, nicht blind vertrauen, nur weil ihr Kontostand hoch ist.

Unser wichtigstes Werkzeug dagegen haben wir schon: Unser Grundgesetz. Es ist super. Es ist unser Anker. Aber es funktioniert nur, wenn wir nicht zulassen, dass es ausgehöhlt wird. Wir müssen auch präventiv agieren und nicht erst, wenn das sprichwörtliche Kind schon in den Brunnen Gefallen ist. 

Wir müssen aufhören zu glauben, unser Handeln hätte keinen Einfluss. Und wir müssen aufhören, denen das Steuer zu überlassen, die uns das Blaue vom Himmel versprechen, während sie sich die Taschen füllen.

Geld ist Macht. Und Macht gehört in einer Demokratie kontrolliert – nicht angebetet.

Euer unsichtbarer Patient


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