Ich spreche hier meist über meine Gesundheit und das System, das sie verwalten soll. Aber wenn wir ehrlich sind, haben wir noch einen viel größeren Patienten: Die Gesellschaft selbst.

Der kollektive Verstand dämmert langsam und bemerkt, dass er nicht allein zu Hause ist. Er hat Mitbewohner: Emotionen und Triebe. Doch er kann mit ihnen nicht umgehen.

Unser gesamtes gesellschaftliches System basiert auf der Idee des reinen Verstandes, der Rationalität. Aber das ist eine Lüge. Der Mensch ist nicht nur Verstand. Er ist ein emotionales, triebgesteuertes Tier. Es mag nicht jedem gefallen, aber das ist eine biologische Tatsache.

Das Update, das nie kam

Wir sind evolutionär dafür gemacht, in Gruppen von vielleicht 150 Menschen zurechtzukommen. Das ist das Limit unserer Empathie und unserer sozialen Verarbeitungskapazität. Sobald es mehr werden, sind unsere persönlichen Ressourcen erschöpft.

Doch durch das Internet haben wir uns eine Verbindung zur gesamten Welt geschaffen. Wir haben unser Steinzeit-Gehirn an ein globales Netzwerk angeschlossen. Das überschreitet bei weitem unsere Fähigkeiten.

Anstatt uns davor zu schützen und Maßnahmen zu treffen, die uns das Leben in dieser neuen Realität erleichtern, tun wir das Gegenteil: Wir nutzen unsere biologische Schwäche gegen uns selbst.

Warum? Damit die Konten einiger weniger gefüllt werden können. Algorithmen füttern uns mit Aufregung, weil das profitabel ist. Ob die Gesellschaft dabei unter ihren Trieben in lauter Hass versinkt? Egal. Hauptsache, die Bilanz stimmt.

Der politische Tumor

Wir haben uns so lange selbst belogen, dass wir nun die grotesken Früchte ernten. Wir wählen einen kranken Narzissten ins Weiße Haus und schenken seinen Worten Glauben.

Ich meine hier „krank“ nicht als Beleidigung, sondern als Diagnose. Wäre es eine andere Krankheit als Narzissmus, würde er mir sogar leid tun.

„Er wird 7 Kriege beenden“? Das klingt eher nach der Einkaufsliste an Ländern, die er dem Imperium einverleiben will.

Doch das eigentliche Problem ist nicht er allein. Das Problem sind die Menschen im Hintergrund, die glauben, er sei ein „Mastermind“ oder ein Werkzeug. Sie glauben, sie könnten ihn für ihre Zwecke nutzen.

Das ist ein fataler Irrtum. Eine Krankheit kann man nicht steuern. Versucht man es doch, fängt sie an zu streuen. Sie metastasiert. Wer glaubt, Chaos kontrollieren zu können, wird vom Chaos gefressen.

Das Hamsterrad des Hasses

Hass als Mittel zum Zweck kann niemals langfristig funktionieren. Nicht, weil es kurzfristig keine „Erfolge“ (Wahlsiege) zeigt, sondern weil es nichts ändert. Es ist ein endloses Hamsterrad. Das Ergebnis ist immer das gleiche: Zerstörung, Erschöpfung, Neustart.

Wollen wir nicht lieber mal einen neuen Weg versuchen?

Wir müssen anerkennen, dass wir als Spezies zusammenarbeiten müssen, um zu überleben. Wer glaubt, mit Steinzeit-Methoden im 21. Jahrhundert Macht generieren und halten zu können, wird auch genau dort enden: in der Steinzeit.

Euer unsichtbarer Patient 


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