Hallo liebe Leser, hier ist wieder eure Stimme aus dem Off.
Ich hatte mal wieder meinen lieben Spaß mit dem Wahnsinn, deshalb lasst uns uns ein weiteres Mal das Gesundheitssystem vorknöpfen. Warum soll ich alleine meine Freude daran haben?
Wie läuft es aktuell? Wir haben zu wenige Hausärzte auf dem Land und Fachärzte sind so erreichbar wie der Papst – nur weiß man bei ihm wenigstens, wo er sitzt.
Wir haben ein System, das offiziell für alle da ist, aber faktisch Selbstzahler bevorzugt. Ich durfte beide Seiten mehrfach erleben – es ist eine Tatsache, keine Verschwörungstheorie.
Liegt es daran, dass Kassenärzte am Hungertuch nagen? Ärzte sind auch nur Menschen. Das Klischee vom Golfplatz kommt nicht aus dem Nichts. Aber Geld allein ist nicht der Grund – Geld wäre in diesem schwarzen Loch von System nie genug da.
Privatpatienten werden nicht bevorzugt, weil sie „bessere“ Menschen sind. Sie bedeuten für den Arzt oft schlicht weniger Gängelung durch das Budget und bringen mehr Umsatz pro Minute. Das schafft Kapazitäten. Dort kann der Arzt plötzlich Dinge sehen, die im 5-Minuten-Takt der Kassenmedizin untergehen. Das ist bitter, aber logisch.
Physiotherapie: Streicheln statt Heilen
Theoretisch haben wir Ärzte für jedes Fachgebiet, aber zuständig fühlt sich dennoch keiner.
Nehmen wir die Physiotherapie. Früher gab es 30 Minuten Zeit oder mehr. Man konnte am Patienten arbeiten.
Heute? Oft keine 15 Minuten mehr.
Wenn du jung bist und dir den Knöchel verknackst hast, mag das reichen. Aber hast du mehrere Baustellen? Dann ist das kein Behandeln, das ist besseres Streicheln.
Bist du chronisch krank oder neurodivergent? Dann bist du die ersten 10 Minuten damit beschäftigt, den Stress der Anreise und der fremden Umgebung zu verarbeiten. Wenn du endlich „da“ bist, ist die Zeit um. Das ist keine Therapie, das ist Stress-Verwaltung.
Das System versagt bei den Komplexen
Für Unfälle und Grippe ist unser System okay. Aber wehe, du fällst durchs Raster. Wehe, du bist ein „schwieriger Fall“. Dann bist du der Sand im Getriebe der Massenabfertigung.
Will ich nur meckern? Ja, der Frust muss raus. Aber wenn ich Frust rauslasse, dann auf meine Weise: Ich habe einen logischen Vorschlag, wie wir das reparieren. „Gesundes Meckern“ quasi.
Wir brauchen ein neues Zwei-Klassen-System. Nicht „Arm gegen Reich“, sondern „Akut gegen Chronisch“.
Die Akuten & Die Begegnung auf Augenhöhe
Viele Patienten kommen verunsichert in die Praxis, weil das Internet ihnen bei Kopfschmerzen sofort einen Hirntumor diagnostiziert. Sie sind leider oft zu unreflektiert, um das abgrenzen zu können. Nicht weil sie dumm sind, sondern weil sie nicht in der Materie stecken und mit unwichtigen Informationen überschüttet werden.
Diese Menschen brauchen keine Belehrung von oben herab, sondern Orientierung auf Augenhöhe.
Wir brauchen Fachkräfte, die den Patienten ernst nehmen, ihm die Sorge nehmen und ihm erklären: „Das ist harmlos, so behandeln Sie es selbst, hierauf müssen Sie achten.“
Der Patient ist mündig – wenn man ihm vernünftige Informationen gibt, statt ihn nur abzufertigen. Man muss den Patienten dort abholen, wo er steht, nicht dort, wo der Behandler steht.
Die Chronischen & Der Vermittler
Versuchen Sie mal, heute einen Neurologen oder einen spezialisierten Facharzt zu finden. Das ist wie Mitarbeiter im Baumarkt: Man weiß, dass sie existieren, findet sie aber nie.
Das Internet ist voll von veralteten Daten, toten Links oder unklaren Zuständigkeiten. Man telefoniert ins Leere und sucht sich den sprichwörtlichen Wolf.
Zudem sind Ärzte Handwerker, keine Seelsorger. Ihnen fehlt oft die Zeit oder die Empathie.
Deshalb braucht jeder chronische Patient einen Vermittler.
Jemand, der das System kennt und weiß, wer wirklich zuständig ist. Das könnte jemand direkt in der Praxis sein, oder man schafft eine zentrale Anlaufstelle, die einem diesen Mittler zuordnet – unbürokratisch und schnell. Ansätze dafür gäbe es genug, nur nie für das, wofür man es gerade benötigt.
Dieser Vermittler führt das Erstgespräch ohne Stoppuhr, sammelt Fakten und übersetzt zwischen „Arzt-Deutsch“ und „Patienten-Sprache“. Das spart am Ende Geld, weil wir uns zig unnötige Fehlbehandlungen sparen.
Eine echte Wissensbasis gegen das Chaos
Wir brauchen eine zentrale, von Ärzten gepflegte Informationsplattform.
Patienten googeln sowieso – und landen oft bei Panikmache.de. Warum geben wir ihnen (und den Ärzten!) nicht eine vernünftige Grundlage?
Eine offizielle Datenbank, aktuell und verständlich. Damit hätten Patienten Sicherheit und Ärzte müssten nicht gegen Halbwissen ankämpfen. Eine Seite, die aktiv beworben wird, damit jeder sie kennt, und die so einfach ist, dass jeder sie bedienen kann.
Dabei sollte auf unwichtige Daten für den Laien verzichtet werden – oder man baut eine spezielle Ebene für Ärzte ein. Für den Patienten zählt das Wesentliche, aber das bitte ausführlich.
Das Kernproblem: Annahmen statt Fakten
Die Ineffizienz unseres Systems entsteht oft gar nicht durch fehlende Informationen, sondern durch eine emotionsgeladene Kommunikation, die auf falschen Annahmen aufbaut. Informationen kommen oft nicht dort an, wo sie benötigt werden.
Der Arzt denkt: „Der will nur eine Krankmeldung.“ Der Patient denkt: „Der hört mir eh nicht zu.“
Wir brauchen eine Rückkehr zur Sachlichkeit. Eine nüchterne, ganzheitliche Kommunikation, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht und Fakten zählen, nicht Vorurteile. Wir brauchen eine digitale Akte, die Diagnosen logisch herleitet, statt Schubladen wie „psychosomatisch“ ungeprüft weiterzugeben.
Und dieser Grundsatz gilt übrigens nicht nur für die Medizin – sondern für fast alle Bereiche unserer Gesellschaft.
Klingt aufwendig? Vielleicht. Aber das aktuelle Chaos ist teurer. Und es kostet Menschenleben.
Euer unsichtbarer Patient

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