Hallo liebe Leser, hier ist wieder eure Stimme aus dem Off.

Ist die Börse eigentlich noch ein Motor für die Welt? Oder ist sie längst ein Motorschaden, der uns volle Leistung nur vorgaukelt?

Ich habe einen radikalen Vorschlag: Wie wäre es, wenn wir sie abschaffen?

Moment, bevor ihr Schnappatmung bekommt: Ich meine, wir schaffen die Börse ab, wie sie heute ist, und bauen eine auf, die ihrem eigentlichen Zweck gerecht wird.

Aktuell ist die Börse ein besseres Casino. Wir brauchen aber einen echten Entwicklungstreiber für unsere Wirtschaft und keine Heuschrecke, die jedes gut laufende Unternehmen bis zum letzten Tropfen auspresst, nur damit die Quartalszahlen stimmen.

Ist das unmöglich? Nein. Klar ist das möglich, wenn der Wille dazu besteht.

Weiter so wie bisher funktioniert jedenfalls nicht. Probleme auf andere zu projizieren, entlastet zwar kurzfristig, aber die Probleme bleiben ungelöst. Also: Schauen wir uns alle Probleme an, die vor uns liegen, und versuchen wir, sie wirklich zu lösen – ohne Ausreden.

Der Befund: Das Casino in der Küche

Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem die Börse ihren ursprünglichen Zweck – Geld für Firmen zu besorgen – vollständig der Spekulation geopfert hat. Die Börse ist nicht mehr die Baumschule des Kapitals, sondern das Casino im Herzen unserer Produktionsküche.

Dieses Casino erzeugt einen fatalen Druck: den Short-Termism (die Gier nach dem schnellen Geld).

Der Mechanismus ist simpel und tödlich: Die Aktionäre wetten auf den schnellen Gewinn. Wenn ein CEO heute sagt: „Ich baue eine Strategie für 10 Jahre, das kostet jetzt aber erstmal Geld“, wird er bestraft. Der Kurs rutscht ab. Die Börse ist zu einem negativen Feedback-Loop für langfristige Vernunft geworden.

Die radikale These: Die Große Bilanzbereinigung

Warum entkoppeln wir die Börse nicht gleich komplett von der echten Welt?

Wir lassen alle Unternehmen drin, aber wir trennen das Spiel vom Ernst. Dann können die, die wollen, ihren Spieltrieb im virtuellen Raum austoben, und für die echte Welt denken wir uns was Neues aus.

Das klingt kompliziert? Ist es nicht. Stellen wir uns das wie bei einer Immobilie vor:

Die Analogie: Das Haus und die Nachbarschaft

Stell dir vor, du kaufst ein Haus.

1. Der Substanzwert (X): Das ist der Wert der Steine, des Dachs, der Rohre. Das ist das, was das Haus wirklich wert ist.

2. Der Börsenpreis (Y): Das ist das, was der Makler heute verlangt, nur weil die Nachbarschaft gerade „in“ ist.

An der Börse ist der Preis (\bm{Y}) oft dreimal so hoch wie der echte Wert (\bm{X}). Die Differenz (\bm{Y-X}) ist reine heiße Luft. Hoffnung. Hype.

Der Lösungsansatz: Das Zwei-Säulen-System

Wir müssen diese beiden Werte trennen. Wir zwingen den Markt zur Ehrlichkeit.

Ein Aktionär muss sich entscheiden:

• Säule 1 (Die Realwirtschaft): Er behält den Anspruch auf den echten Wert (\bm{X}). Dafür bekommt er keine Zocker-Gewinne mehr, sondern eine feste Verzinsung, basierend auf dem echten Gewinn des Unternehmens. Das ist langweilig, aber sicher und stabil.

• Säule 2 (Das Casino): Er behält den Überschuss (\bm{Y-X}). Damit darf er im virtuellen Raum weiterzocken. Aber: Er hat kein Stimmrecht mehr im Unternehmen. Er wettet nur noch auf Zahlen, ohne dass der Geschäftsführer nach seiner Pfeife tanzen muss.

Und für alle, die sich jetzt Sorgen um ihre Altersvorsorge machen:

Eure Rente wäre in Säule 1 sogar sicherer als heute. Warum? Weil sie auf echten Werten und echten Gewinnen basiert, statt auf Luftschlössern, die bei der nächsten Krise platzen. Wir tauschen das Roulette gegen Stabilität.

Die Angst vor der Kapitalflucht

Aber wandert dann nicht das ganze Geld ab? Das ist das Standard-Argument der Angst: „Wenn wir die Regeln ändern, gehen die Milliardäre woanders hin.“

Meine Antwort: Lass sie doch gehen.

Was passiert, wenn man Kapital zu stark zentralisiert und ihm unkontrollierten Raum lässt, sehen wir gerade überdeutlich in den USA. Das führt nicht zu Wohlstand für alle, sondern zu einer Machtkonzentration, die am Ende die Demokratie selbst bedroht.

Erinnern wir uns daran, was Geld eigentlich ist: Zunächst einmal nur eine Zahl auf einem Stück bedrucktem Papier oder in einer Datenbank. Der echte Wert entsteht erst durch die Arbeitsleistung, die reale Menschen und Maschinen erbringen.

Wir haben in der EU rund 450 Millionen Einwohner, die jeden Tag aufstehen und diese Leistung erbringen. Und wir zittern vor Angst, weil vielleicht 100 Milliardäre drohen, mit ihren virtuellen Zahlenkonten auszuwandern?

Stell dir die Frage: Wenn 450 Millionen Menschen sagen: „Das Geld dieser 100 Leute nehmen wir nicht mehr an, wir vertrauen auf unsere eigene Leistung.“

Wer hat dann wohl den längeren Hebel?

Wer lieber im Casino spielt, als in die echte Welt zu investieren, den brauchen wir hier nicht als Gestalter.

Das Fazit: Müll recyceln statt darin wohnen

Natürlich ist eine Umsetzung in der Realität nicht so einfach wie in der Theorie auf dem Papier. Aber es ist möglich, und wir müssen neue Wege gehen.

Denn jedem dürfte doch klar sein, wohin ein „Weiter so“ zwangsläufig führen wird, oder?

Und selbst wenn es nicht zum schlimmsten aller Fälle kommen sollte: Warum sollen wir uns mit Müll zufrieden geben, nur weil er da ist? Warum sollten wir in einem kaputten System leben, anstatt es zu „recyceln“? Wir können das, was wir aus den Fehlern gelernt haben, nutzen und daraus etwas wirklich Gutes schaffen.

Am Ende bleibt die Frage: In welcher Welt möchtest du leben?

Auch wenn wir, die jetzige Generation, vielleicht kaum noch von den Früchten dieser Arbeit profitieren sollten – willst du wirklich so ein Vermächtnis hinterlassen? Einen Haufen Schrott, nur weil wir zu bequem zum Aufräumen waren?

Ein letzter Gedanke für den Weg:

Überlegt mal kurz: Wenn ein Wirtschaftssystem angeblich zusammenbricht, nur weil wir anfangen, ehrlich zu rechnen – war es dann jemals stabil?

Aber besser noch: Wir lassen es erst gar nicht zum Knall kommen. Wir laufen direkt los.

Die Zukunft sieht im Moment oft düster aus – aber sie muss es nicht sein. Ob sie hell oder dunkel wird, das liegt einzig und allein an uns selbst.

Euer unsichtbarer Patient


Kommentar verfassen

Hier klicken, um den Inhalt von jetpack.wordpress.com anzuzeigen.