Hallo liebe Leser,
hier schreibt „Die Stimme aus dem Off“. Die Stimme, die es leid ist, zu schweigen. Ich bin der, den man im Wartezimmer übersieht, weil man ihm seine Last nicht ansieht. Und ich habe ein paar Dinge über ein System zu sagen, das diesen Namen eigentlich nicht mehr verdient.
Wir verbrennen Milliarden.
Nicht für Medikamente oder High-Tech-Geräte, sondern für das Ego und schlechtes Management. Das deutsche Gesundheitssystem klagt über Überlastung. Doch statt die Prozesse zu hinterfragen, wird der Patient zum Sündenbock gemacht.
Das Paradoxon des „mündigen“ Patienten
Es ist ein Spiel, das man als Patient nur verlieren kann. Es wird immer mehr Eigenverantwortung verlangt, doch wehe, man nimmt das ernst:
• Szenario A: Ich informiere mich. Ich bringe Daten mit, habe meine Symptome analysiert. Reaktion: Ablehnung. Ich bin der „Besserwisser“. Mein Wissen wird als Angriff auf die ärztliche Autorität gewertet.
• Szenario B: Ich verlasse mich blind auf den Arzt. Reaktion: Die Behandlung läuft schief, weil Details fehlen. Am Ende heißt es vorwurfsvoll: „Warum haben Sie das denn nicht gesagt?“
Die Gebühr gegen das Symptom
Und weil das Chaos herrscht, fordert die Politik nun Gebühren für Notaufnahmen.
Wer ernsthaft glaubt, Patienten gehen „aus Spaß“ zum Arzt, hat wohl schon sehr lange in keinem Wartezimmer mehr gesessen oder genießt das Privileg, Selbstzahler zu sein.
Geld soll heilen? Alle sind irritiert, dass das nicht funktioniert. Eine Gebühr ändert nichts daran, dass Fachärzte nicht miteinander reden. Sie ändert nichts daran, dass komplexe Fälle abgeschoben werden.
Sind unsere Ärzte unfähig?
Nein. Ich werde hier sicher noch viel Kritik üben, aber zur Wahrheit gehört auch: Wir haben in Deutschland eigentlich hervorragend ausgebildete Mediziner. Das Fachwissen ist da.
Das Problem ist: Viele ruhen sich auf diesem Wissen aus. Sobald der Doktortitel an der Wand hängt und der erste finanzielle Erfolg da ist, stoppt oft die Entwicklung – besonders im Menschlichen.
Dem Umgang mit Patienten wird viel zu wenig Wert beigemessen. Das beste Fachwissen nützt nichts, wenn man es nicht anwenden kann, weil man nicht zuhört. Und die wenigen Ärzte, die beides können – Fachwissen UND Empathie –, sind so hoffnungslos überlaufen, dass sie allein an der Masse scheitern.
Die Lösung: Investieren statt Bestrafen
Der einzige Weg, das Gesundheitssystem zu retten, ist das, was ein Arzt eigentlich tun sollte: Innehalten.
Wir müssen die Ursachen suchen, nicht die Symptome besteuern. Wir müssen den Patienten wieder in den Mittelpunkt stellen. Er ist das Arbeitsmaterial und der Kunde in einem. Eine gute Arbeit kann nur funktionieren, wenn man einen ganzheitlichen Blick hat und anfängt, Patienten ernst zu nehmen – und nicht zum Wohle der Bürokratie handelt.
Klingt teuer?
Nein. Eine vernünftige, gut durchdachte Behandlung und eine echte Präventionsfürsorge sparen auf Dauer deutlich mehr. Man muss jetzt Geld ausgeben, um später zu sparen, denn wir haben die Gesundheit der Patienten viel zu lange vernachlässigt.
Alles andere ist, als würde man, um jemanden gesund zu machen, den Tumor füttern.
Schreibe einen Kommentar